Flucht im Lebenslauf. Biografisches Lernen mit Jugendlichen.

Biografie Anne

Vorname

Anne

Geburtstag und -ort

12.06.1929 in Frankfurt/Main

Emigration nach Amsterdam

Februar 1934

Schule

Montessori-Grundschule, ab 1941 jüdisches Lyzeum

Ermordet

Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen

Anne wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main als Kind einer jüdischen Familie geboren. Sie wuchs in einem behüteten Umfeld mit ihrer drei Jahre älteren Schwester Margot und ihren Eltern Edith und Otto Frank auf.

Annes vier Jahre älterer Cousin Buddy Elias wurde ebenfalls in Frankfurt am Main geboren. 1929 ging Buddys Vater in die Schweiz, um in Basel eine Filiale der Firma Opekta zu übernehmen. Opekta handelte mit Geliermittel zur Herstellung von Marmelade. 1931 folgten ihm Buddy, seine Mutter und seine Geschwister von Frankfurt nach Basel.

Wegen ihrer schlechten finanziellen Lage und der feindlichen Stimmung gegenüber Jüd*innen beschlossen auch Annes Eltern, Deutschland zu verlassen. Sie emigrierten in die Niederlande. In Amsterdam erhielt Otto Frank das Angebot, eine Vertretung des Unternehmens Opekta zu eröffnen. 1933 übersiedelte Annes Familie nach Amsterdam, 1934 kam Anne als letzte nach. Die Franks lebten sich allmählich in Amsterdam ein, Anne und Margot besuchten den Kindergarten und die Schule. Besonders Annes Mutter, Edith Frank, vermisste jedoch ihr früheres Zuhause. Ab 1937 versuchte Otto Frank, die Ausreise der Familie nach Großbritannien und in die USA zu organisieren.

Im Mai 1940 besetzte das Deutsche Reich die Niederlande. Fortan wurden der Antisemitismus und die Diskriminierung von Jüd*innen in vielen Bereichen des Lebens spürbar. Antijüdische Gesetze schränkten ihre persönlichen Freiräume ein und sorgten mehr und mehr für ihre gesellschaftliche Isolation.
Alle Bemühungen der Familie Frank, in ein anderes Land auszureisen, scheiterten. Im November 1941 wurde ein Gesetz erlassen, durch das die Franks ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren und staatenlos wurden. Eine legale Ausreise aus den Niederlanden wurde somit generell unmöglich. Das Visum, das Otto Frank für Kuba erhalten hatte, wurde für ungültig erklärt. In den Niederlanden begannen die systematische Verfolgung, Verhaftung und Deportation von Jüdinnen und Juden.
Als Margot im Juli 1942 einen Aufruf zur Deportation erhielt, tauchte die Familie Frank zeitiger als geplant im Hinterhaus der Firma Opekta unter. Dies gelang nur durch die Unterstützung von Freund*innen und Kolleg*innen der Franks.
Anne Frank lebte dort mit ihrer Familie und vier weiteren Personen zwei Jahre lang zusammen, ohne nach draußen gehen zu können. Im August 1944 wurde das Versteck entdeckt, die Untergetauchten wurden verhaftet und in verschiedene Konzentrationslager deportiert.
Im März 1945 wurde Anne im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren ermordet. Annes Vater Otto ist der Einzige seiner Familie, der den Nationalsozialismus überlebt hat.

Buddy Elias überlebte den Nationalsozialismus mit seiner Familie in der Schweiz, da das Land nicht von den Deutschen besetzt wurde. Er wurde Schauspieler und ein aktiver Zeitzeuge. In Interviews und Gesprächen hielt er die Erinnerung an seine Cousine Anne am Leben. Buddy starb 2015 im Alter von 89 Jahren in Basel.